INSPIRATION

Die Washi-Tradition inspiriert das Interior des Mazda MX-30

Washi-Papier wird in Japan seit Jahrhunderten hergestellt. Seine einzigartigen Eigenschaften inspirierten die Designer von Mazda sogar zu einem Stoff, der auch im Mazda MX-30 zum Einsatz kommt. Was aber ist washi? Wir haben uns eines der wichtigsten, wenn auch oft viel zu wenig beachteten Produkte Japans einmal genauer angesehen.

„Wenn wir zur Ruhe kommen, atmen wir unbewusst tiefer ein“, erklärt Xintong Li, der leitende Farb-, Material- und Oberflächen-Designer für den Mazda MX-30. „Das beeinflusste unser Konzept und die Wahl der Materialien für den Innenraum. Jeder Mensch atmet in seinem eigenen Rhythmus. Als wir nach einer Anregung suchten, um die Individualität im MX-30 zum Ausdruck zu bringen, kam uns das washi in den Sinn.“

Washi setzt sich aus wa für „Japanisch“ und shi für „Papier“ zusammen. Diese Bezeichnung erhielt es Mitte des 19. Jahrhunderts. Man wollte es damit von den maschinell gefertigten, aus Zellstoff erzeugten und dem Westen importierten Papieren unterscheiden. Tatsächlich ist es ein völlig anderes Material und hat eine viel längere Geschichte, denn es wurde in Japan schon 600 Jahre, bevor sich die Technik der Papierherstellung in Europa verbreitete, gefertigt.

Der im Jahr 720 verfassten japanischen Chronik Nihonshoki zufolge brachten buddhistische Mönche die Tinte und die Kunst der Papierherstellung im Jahr 610 nach Japan. Mit der Zeit verbesserte man das Papier und die Fertigungsverfahren immer mehr, bis das Produkt schließlich etwas typisch Japanisches wurde.

Etwas ganz Besonderes

Washi wird traditionell aus drei Pflanzen hergestellt: kōzo (Maulbeere), mitsumata und gampi (beides Seidelbastgewächse). Dank seiner Festigkeit und sichtbaren Textur ist es ein ganz besonderes Papier. Einst war es im japanischen Alltag sehr verbreitet. So fertigte man Laternen, Regenschirme, Kleider, shoji (Schiebetüren) und sogar die ersten Geldscheine aus washi. Das Handwerk gilt heute als kulturell und sozial so bedeutend für Japan, dass die UNESCO es zu einem immateriellen Kulturerbe ernannte.

Der einst florierende Industriezweig ist allerdings inzwischen auf weniger als 350 Familien geschrumpft, die heute noch Papier von Hand herstellen. Als Xintong Li und ihre Kollegin Akitomo Hara auf der Suche nach Materialien für den MX-30 waren, statteten sie mit Kawahira und Nishida Washi zwei dieser Betriebe einen Besuch ab. Beide stellen sekishu washi her, das nur in der Region Iwami in der Präfektur Shimane entsteht und von hervorragender Qualität ist. Es heißt, Händler aus Osaka hätten sekishu washi früher für ihre Bücher verwendet und bei Bränden in einen Brunnen geworfen, um es vor den Flammen zu retten.


Nach der herkömmlichen Methode wird die Baumrinde zum Trocken aufgehangen. In Japan wurde Washi-Papier bereits 600 Jahre, bevor sich diese Technik in Europa verbreitete, gefertigt.

„Echtes japanisches Papier kann nur von wenigen Kunsthandwerkern gefertigt werden und hat faszinierende Eigenschaften. Es ist sehr fest, haltbar, fast unmöglich zu zerreißen und wasserfest.“

CRAIG ANCZELOWITZ, AWAGMI

„Das im Alltag verwendete washi ist meist brüchig, schwach und empfindlich“, erklärt Xintong Li, die viel über die Geschichte dieses Papiers lernte, als sie für ihren Design-Abschluss eine Papiermaschine für Haushalte gestaltete. „Ich habe von den Herstellern erfahren, dass echtes japanisches Papier nur von wenigen Kunsthandwerkern gefertigt werden kann und faszinierende Eigenschaften hat. Es ist sehr fest, haltbar, fast unmöglich zu zerreißen und wasserfest.“

Architektur und Kunst

Washi kommt zwar nicht direkt im MX-30 zum Einsatz, doch dank seiner Bedeutung für die japanische Gesellschaft und seiner besonderen Eigenschaften mit den dicht verwobenen Fasern sowie der ungleichmäßigen Textur beeinflusste es das Material, das die Designer von Mazda letztlich im Fahrzeug verwendeten.

Dazu Akitomo Hara: „Nicht umsonst wird das Papier in der traditionellen japanischen Architektur und Kunst geschätzt. Wir dachten, es würde nicht reichen, das atmungsaktive Material im MX-30 einfach nur ansprechend zu gestalten – es sollte auch eine Bedeutung haben und den Raum betonen. Und washi entsprach exakt dem Materialstil, nach dem wir suchten.“

Die Herstellung

Washi wird unter Anwendung der vor rund 1.000 Jahren entwickelten Nagashisuki-Methode hergestellt. Die Pflanzen, die das Material für das Papier liefern, erntet man in der Regel im Winter. Ihre Äste werden gedünstet, sodass sich die Rinde ablösen und trocknen lässt. Anschließend wird die trockene Rinde gekocht. So entsteht eine breiige Substanz. Sie wird von Hand geschlagen, damit sich die Fasern lösen, auf ein Bambussieb gestrichen und mit einer schleimigen Substanz namens neri versetzt, um eine gleichmäßige Konsistenz zu erreichen. Die breiige Substanz wird nun immer wieder hin und her sowie vor und zurück geschwenkt, damit längere Fasern entstehen und sich fest verweben. Anschließend wird das Sieb mit dem nassen Papierbogen aus der Form gehoben. Der Handwerker legt den noch nassen Bogen auf einen Stapel frisch geformter Blätter und lässt sie trocknen. Zum Schluss wird das Wasser aus dem Papier gepresst. Dann trennt man die Bögen, bürstet sie, um unerwünschte Texturen zu entfernen, und trocknet sie vollständig.

Es mag Außenstehende überraschen, dass sich hinter der Neonfassade des schnell getakteten Hi-Tech-Landes Japan eine Gesellschaft verbirgt, die noch zu einem großen Teil auf Papier setzt, was fast einer Rückkehr zur isolationistischen Politik der Jahre 1639 bis 1853 gleichkommt. So wird üblicherweise nach wie vor mit Bargeld statt bargeldlos bezahlt, man verteilt noch immer gern Visitenkarten und sogar das Faxen ist bis heute weit verbreitet. Durch die Digitalisierung der japanischen Gesellschaft allerdings sinkt der Einsatz von Papier, vor allem bei der jüngeren Generation.

Dieser Herausforderung musste sich auch Awagami stellen. Die innovative Manufaktur in einem kleinen Dorf in der Präfektur Tokushima wurde vor acht Generationen von der Familie Fujimori gegründet. 1986 erhielt Meister Minoru Fujimori, der inzwischen verstorbene Vater des derzeitigen Präsidenten Yoichi Fujimori, in Anerkennung seiner Leistungen auf dem Gebiet der Papierherstellung vom Kaiser den Verdienstorden des heiligen Schatzes: Er wurde ihm im Rahmen einer Zeremonie in Tokio überreicht.

Die erfahrenen Hände der Mitarbeiter bei Awagami bei der Arbeit.

Die erfahrenen Hände der Mitarbeiter bei Awagami bei der Arbeit.

Die erfahrenen Hände der Mitarbeiter bei Awagami bei der Arbeit.

Die erfahrenen Hände der Mitarbeiter bei Awagami bei der Arbeit.

Höchstes Renommee

Zu den Innovationen von Awagami gehört „A-Wall“, eine Kollektion aus maschinell und handwerklich hergestellten washi-Tapeten in Bioqualität, und das weltweit erste Sortiment mit speziell gefertigtem washi für Tintenstrahl-Kunstdrucke. Das Unternehmen ist in Künstler- und Designkreisen für seine hochwertigen Papiere bekannt. Es zählt Architekten, Interior Designer, Konservatoren, Marken wie Hermès und Mont Blanc sowie Künstler wie Frank Stella und Richard Serra zu seiner Klientel und lädt einmal jährlich zu einem internationalen Artist-in-Residence-Workshop ein. Die ausgewählten Künstler können in der Mühle ganz nach Belieben Werke schaffen. Einzige Voraussetzung: Das Papier muss ein zentraler Bestandteil sein.


Die Washi-Manufaktur Awagami ist seit acht Generationen in Händen der Familie Fujimori.

„Handgemachtes Papier bleibt die Grundlage dieses Unternehmens und wird immer das Herzstück unseres Familienbetriebs sein“, erklärt Craig Anczelowitz, Direktor für Produktentwicklung und Marketing bei Awagami. „Die Fortführung unserer Tradition ist unsere kulturelle Pflicht. Tag für Tag schönes Papier zu fertigen ist sehr schwer. Um ein perfektes washihinzubekommen, sind viele Jahre Praxis erforderlich.

Anczelowitz ist bestens qualifiziert, die Bedeutung und Schönheit dieses japanischen Handwerks einzuschätzen und zu verstehen. Denn vor seinem Umzug nach Japan betrieb er in New York ein Papiergeschäft. Washi beschreibt er als „japanisches Papier mit Seele“.


Die Papiermodelle von Mazda

Als Anfang 2020 viele Länder in einen Lockdown mussten, beschloss Mazda, etwas für die gute Laune der Kunden zu tun und eine Reihe von Bastelschablonen aus Papier herauszubringen. Entworfen wurden sie von Eiji Miyamoto vom Designstudio Mizmakobo Co. Ltd.

Miyamoto sah sich zunächst Bilder von Mazda-Modellen genauer an und fotografierte sie sogar in den Straßen. Anhand der Fotos erstellte er Tonmodelle, die er in Papier hüllte. Das war gar nicht so einfach, weshalb pro Modell mindestens 20 Versuche nötig waren, um zu einem perfekten Papiermodell zu gelangen.

„Am schwierigsten war es, das Heck des Mazda3 einzufangen. Es ist ein so schönes Auto, weshalb ich es wirklich exakt hinbekommen wollte. Ich holte mir Rat bei Yoshihiro Hatakeyama von Mazda. Er riet mir, die Struktur stark zu vereinfachen. Das hat wirklich geholfen.“

Miyamoto testete bei der Entwicklung der Prototypen diverse Papiersorten und kam zu dem Schluss, dass leicht steifes Papier, das eine kartonähnliche Festigkeit hat, aber dennoch flexibel genug für Drucker ist, am besten funktioniert.


Text Anna Muggeridge / Bilder Patrick Borie-Duclaud & Awagami

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